02.06.2009 — Frankfurter Allgemeine Zeitung

Von Mahler lernen

Peter Hirsch in Mainz

...man fragt sich, wie Kulturfunktionäre hierzulande es sich leisten können, die herrliche Musik Luigi Dallpiccolas so nachhaltig zu ignorieren. (...)
  Peter Hirsch hat jetzt als Gast am Pult des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz die 1954 entstandenen „Variazioni per orchestra“ ins Programm genommen - wunderbar transparente, klangdifferenzierte Stücke von aphoristischer Kürze, doch nicht im Sinne Weberns: Dallapiccolas Filigranität, ökonomische Beschränkung und dodekaphonische Strenge steht auf faszinierende, künstlerisch fruchtbare Weise in scharfem Kontrast zur expressiven Spannung des Einzelereignisses, was der Musik eine gewissse Geschmeidigkeit und sinnliche Komponente verleiht, Hermetischer wirkt in diesem Zusammenhang Luigi Nonos Fragment „Julius Fucik“ für zwei Sprecher und Orchester. Nonos Annäherung an Leben und Werk des Prager Kommunisten war ursprünglich als drei Teile umfassende Komposition geplant, doch brach Nono das Projekt nach dem ersten Teil ab. Hirsch, den Mainzer Musikern sowie den beiden Sprechern Gregor Trakis und Stefan Walz ist es zu verdanken, überhaupt einmal mit diesem Versuch bekanntgemacht worden zu sein, zumal in einer so konzentrierten Wiedergabe. Das hohe Niveau dieses Abends setzte sich nach der Pause fort und erreichte bei Mahlers erster Sinfonie seinen Höhepunkt.

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